Wer mich inspiriert / Alisa Verner

July 06, 2018  •  Kommentar schreiben

Die Aktfotografie gilt ja gemeinhin als die Königsdisziplin unter Fotografen. Und das, obwohl die Darstellung (halb)nackter Menschen mittlerweile allgegenwärtig zu sein scheint, wir uns fast schon daran gewöhnt und vielleicht sogar "satt" gesehen haben. So viele Bilder, die tagtäglich auf uns einprasseln, machen natürlich auch etwas mit unserer Wahrnehmung und prägen unsere Vorstellung von Körperidealen. Die Diskussionen darüber sind gut, und werden sicher auch nicht so bald abreißen. Doch darum soll es hier nicht gehen.

Als Fotograf beschäftigt man sich mit der Frage, wie der menschliche Körper möglichst ästhetisch abgelichtet werden kann, und natürlich unterliegt man damit auch den Schönheitsidealen seiner Zeit. Rubens hätte anders fotografiert als Newton. Und gerade weil man es mit Menschen zu tun hat, die sehr "ungeschützt" vor der Kamera stehen, kann dabei auch ein Menge schief gehen. Sehr schmal ist die Grenze zwischen ästhetisch und billig. Und auch, wenn es im Auge des Betrachters liegt, auf welcher Seite dieser Grenze der Fotograf gelandet ist, gibt es doch ein paar Regeln, die man beachten sollte, um möglichst ästhetisch zu fotografieren.

(1) Licht: Nirgendwo ist hartes, kaltes Licht so fehl am Platz, wie in der Aktfotografie, außer man setzt es ganz gezielt als Stilmittel ein. In den meisten Fällen ist available light aber die erste Wahl. Die goldene Stunde eignet sich hervorragend. Ein seitlicher, ergänzender und indirekter Blitz hilft manchmal noch zum konturieren und betonen. Oft tut es aber auch schon ein Aufheller.             

(2) Location: ich hasse Studios. Erstens wirken die Bilder fast immer unnatürlich gestellt, und außerdem ist es für die Modelle viel interessanter, wenn sie sich in einer natürlichen Umgebung befinden. Das merkt man dann auch auf den Bildern. Selbst eine Küche ist interessanter als ein Studio. 

(3) Brennweite: 50mm eignet sich am Besten, um das Modell so natürlich wie möglich abzulichten. Weicht man davon stark ab, sollte der Fotograf wissen was er/sie tut. 18mm und von oben fotografiert macht z.B. sehr kurze Beine.  

(4) Blende: eine offene Blende eignet sich gut, um das Modell freizustellen und einen schönen Unschärfeverlauf zu erzeugen. 2,8 sollte es mindestens sein, auch schon deshalb, weil es sonst schwierig wird, in geschlossenen Räumen bei wenig Licht zu fotografieren

Eine Fotografin, die all diese Disziplinen in meinen Augen meisterhaft beherrscht, ist Alisa Verner.  (Achtung: Aktfotografie) Ihre Bilder sind interessant, schön, ästhetisch, erotisch, stimmungsvoll. Eigenschaften, die nicht alle Bilder da draußen für sich in Anspruch nehmen dürfen. Alisa Verner schafft es mit fast jedem Bild. Glückwunsch.     


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